AWD Allgemeiner Wirtschaftsdienst - DLF Dreiländerfonds - Beratung

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Nicht gut genug beraten

AWD wegen Fehlberatung im Zusammenhang mit dem Dreiländerfonds verurteilt - Vermittler habe nicht auf kritische Presse hingewiesen

München, 22.11.2001 Ein rauher Wind bläst dem vergangenes Jahr eher verhalten an die Börse gestarteten "unabhängigen Finanzoptimierer" AWD ins Gesicht. Mußte der Börsengang schon wegen im Börsenprospekt nicht erwähnter Haftungsrisiken bei der Vermittlung u.a. des Dreiländerfonds verschoben werden, so scheint sich jetzt die damals noch als äußerst theoretisch hingestellte Gefahr unerwartet konkret zu verwirklichen. Die 13. Zivilkammer des LG Hannover hat den AWD erstinstanzlich zum Schadenersatz an einen von ihm geworbenen Anleger des sog. DLF 94/17 verurteilt.

Dabei handelt es sich um einen sehr großen Immobilienfonds des Konzeptionärs Walter Fink, der als ein Kernstück das "Freizeit- und Erlebniszentrum Stuttgart" beinhaltete, den Musicalpalast, in dem zunächst Miss Saigon zur Aufführung kommen sollte. Mieterin sollte die Stella AG des Immobilientycoons Rolf Deyhle sein. Schon in der Frühzeit der Plazierungsphase gab es mehrere kritische Pressestimmen, die vor der Gefahr von Mietausschüttungen warnten, sollte Miss Saigon oder eine Nachfolgeproduktion nicht dauerhaft für ein volles Haus sorgen. Eine Gefahr, die sich in der Tat verwirklichte und die Stella in die Insolvenz riß. Deshalb wurde dem Fonds schon von Anfang an ein überdurchschnittlich hohes Risiko attestiert.

Der Vermittler, der dem Kläger diesen Fondsanteil vermittelte, ein selbständiger Handelsvertreter des AWD, hatte zwar den Fondsprospekt übergeben, aber auf die negative Berichterstattung nicht hingewiesen. Er habe davon nichts gewußt. Der AWD hat weiterhin argumentiert, er könne für die Äußerung selbständiger Vertreter nicht haften. Doch, verbeschied ihn das LG Hannover, er könne nicht nur, er müsse sogar. Schließlich sei der Vertreter offen als solcher des AWD aufgetreten, wobei es egal sei, ob er Visitenkarten oder Notizpapier des AWD verwendet habe. Als Organisation, die sich nach eigener Selbstdarstellung als "unabhängiger Finanzoptimierer" verstehe, könne man sich auch nicht darauf berufen, man habe nur einen Anteil vermittelt und keine weiteren Pflichten übernommen. Vielmehr werde die richtige, sorgfältige und für den Kunden verständliche Beratung über alle für den Zeichnungsentschluß wesentlichen Umstände geschuldet.

Vor diesem Hintergrund sei auch eine schuldhafte Fehlberatung gegeben, weil eine risikoreichere Anlage empfohlen wurde als sie der Kläger, der die Anlage über ein Darlehen finanzierte, eingehen hätte wollen und als auch für ihn tunlich gewesen wäre. Dies wäre aus im Zeitraum der Plazierung veröffentlichten negativen Presseberichten ersichtlich gewesen. Kritische Äußerungen müßten selbst dann offenbart werden, wenn sie der Vermittler nicht für zutreffend halte. Dies gelte jedenfalls für solche, die in bekannteren Publikationen enthalten seien, zu denen auch kapital-markt intern und dfi-report zählten. Kenne der Vermittler diese nicht, weil er etwa die genannten Blätter nicht lese, dann entbinde ihn dies nicht etwa von einer Informationspflicht, sondern begründe vielmehr seine Fahrlässigkeit bei der Vermittlung von Kapitalanlagen.

Die Beratung dürfe sich auch nicht in der Hingabe von Prospekten erschöpfen, sondern bedürfe der Erläuterung durch den Anlageberater. Man hätte wohl - darauf kam es hier allerdings nicht an - auch noch über die Höhe der den Zeichnungswilligen, der seinen Einlage kreditfinanzieren wollte, treffenden Darlehensverpflichtungen informieren müssen, falls die Ausschüttungen des Fonds einmal ausblieben (LG Hannover, Az. 13 O 3037/01).

Das Urteil bewegt sich auf der Linie der uns bekannten Rechtsprechung. Es ist nun natürlich spannend, wie sich die Angelegenheit weiter entwickelt. Der AWD hat bereits die Berufung angekündigt. Die Erfolgschancen eines derartigen Rechtsmittels beurteilen wir allerdings eher kritisch. Dies ist doppelt bitter, heißt es doch, daß die Organisation auch beim Vertrieb von Immobilien nicht nur beste Empfehlungen gegeben haben soll. Wir berichten weiter.

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