Social Bookmarks

Share |

Mitgliedschaften u.a.

Mitglied im Anwaltsverein
Datev-Mitglied
In Focus 24/2000 wurde eine Liste von 26 empfohlenen Anlegeranwälten veröffentlicht, zu denen damals bereits Wilhelm Lachmair zählte.
Empfohlene Wirtschaftskanzlei für Kapitalanlagerecht

Geschädigt?

Kontaktieren Sie uns:
Per Telefon: 089/216 333-0
Per Fax: 089/21 63 33 - 31
Per eMail: info(at)ra-lachmair.de
Per Online-Formular

Erstberatung:
Erstberatung für Geschädigte

Suchen

Weitere Angebote

Accessio Wertpapierhandelshaus (Driver & Bengsch) - mit zweifelhaften Schuldverschreibungen gegen die Wand

BaFin entzieht die Wertpapierhandelslizenz - massive Abwertung des Firmenwertes zu Lasten der Genussscheinsparer - diverse Schadenersatzklagen anhängig - haftet Produktpartner DAB?

 

München, 17.07.2009; Für eine mittlerweile ganz veritable Affäre auf dem regulierten Kapitalmarkt sorgt das Emissionshaus Accessio AG (vormals Driver & Bengsch). In Kooperation vorwiegend mit der DAB wurde als Erfolgsprodukt unter anderem das so genannte "ZinsKombiKonto" angeboten. In Verbindung mit einem für einen befristeten Zeitraum äußerst attraktiv verzinsten Tagesgeldkonto bei der DAB musste eine Schuldverschreibung gezeichnet werden, mit deren Platzierung die Accessio beauftragt war.

Für die Platzierung erhielt das Wertpapierhandelshaus bis zu 10 % des Platzierungsbetrages, wovon ein Teil zur Subventionierung des Tagesgeldes an die DAB floss. Dort wurden auch die Depots geführt. Bei den platzierten Schuldverschreibungen handelte es sich um hoch verzinsliche Werte kleinerer Gesellschaften, die ein erhebliches Bonitätsrisiko aufweisen.

Zweifelhafte Anleiheprodukte

Uns sind hier zwei der betroffenen Anleihen näher bekannt. Bei beiden hätte wohl ein seriöser Emittent auf erhebliche Risiken hinweisen müssen, was im hier betreuten Falle nicht geschah. Die Schäden für die Mandanten sind beachtlich. In einem Fall notiert die Anleihe derzeit etwa bei 19,5 %, die andere weist einen Mittelkurs von etwa 20 % aus. Verlust für die Kunden: 80 % plus. Ein Schnäppchen also nur für Accessio (Driver & Bengsch)?

Die hier betroffenen Anleihen der Cargofresh AG dienen zur Finanzierung eines Herstellers von Containerkühlsystemen mit Sitz in Ahrensburg bei Hamburg. Begeben wurden im Jahr 2005 eine Schuldverschreibung über 8 Millionen €, die 2010 fällig sein soll (WKN: A0EY52), sowie ein Jahr später eine weitere über 20 Millionen €, die von 2006 bis 2012 laufen sollte ( WKN: A0JQ95). Die beiden sind mit jeweils 9 % p.a. verzinst.  Das Unternehmen ist am 06.02.2006 beim Amtsgericht Lübeck eingetragen worden. Es handelt sich um ein Startup, das sich auf diese Weise mit dem nötigen Kapital versorgt.

Das kann man machen. Für die Anleger bedeutet dies allerdings, dass sie ein erhebliches Risiko übernehmen müssen. Ein Risiko, das sich derzeit massiv manifestiert und realisiert. So hat das Unternehmen angekündigt, die erste Anleihe nicht pünktlich zurückzahlen zu können. Bei beiden Anleihen möchte man die Zinscoupons stunden. Die Folge ist ein massiver Einbruch der Kurse auf etwa 20 % des Nennwerts.

Eine weitere Konsequenz ist, dass für die Platzierung der Anleihen erhebliche Vertriebsaufwendungen zu veranschlagen war, die an Accessio (Driver & Bengsch) geflossen sind. Auf diese wurde jedenfalls bis Oktober 2007 nicht hingewiesen. Alleine dies rechtfertigt Schadenersatzansprüche (vgl. etwa BGH, Urteil vom 12.05.2009, Aktenzeichen XI ZR 56/07). Daneben sehen wir hier erhebliche Aufklärungsdefizite, zumal das Ganze gerade vor dem Hintergrund eines angeblich sicheren Anlageprodukts (ZinsKombiKonto) veräußert worden ist.

Wenig besser sieht es bei der Salvator AG aus: Hier hat man einen ebenfalls sehr hoch verzinslichen Genussschein, bei dem Zinsen nur anfallen, wenn kein Bilanzverlust erzielt wird. Mit dem Papier sollen Immobiliengeschäfte finanziert werden, wobei auffällt, dass hier eine Verzinsung weit oberhalb des üblicherweise für Immobilienfinanzierungen durch Banken maßgeblichen Niveaus in Kauf genommen wird.

Es kommt hinzu, dass die Anleihegläubiger im Falle von Bilanzverlusten sogar den Totalverlust ihrer Einlage riskieren, da sich der Rückzahlungsanspruch jedes Genussscheininhabers in demselben Verhältnis reduziert, in dem das in der Bilanz ausgewiesene Eigenkapital einschließlich Genussscheinkapital durch die Tilgung des Bilanzverlusts verringert wird. Die Ausweisung einer festen Verzinsung ist vor einem solchen Hintergrund nach unserer Einschätzung irreführend.

Es kommt hinzu, dass auch hier der Zinscoupon darauf hindeutet, dass die Anleihe nur unter Gewährung eines erheblichen Zuschlages zum aktuellen Zinsniveau absetzbar ist. Auch dies deutet auf ein massives Risiko hin, das den Anlegern, soweit hier bekannt, überwiegend verschwiegen worden sein dürfte. Natürlich sind auch hier erhebliche Vermittlungsprovisionen gewährt worden, die das bei Anleiheplatzierungen übliche durchaus übersteigen dürften.

Erhebliche Risiken für die eigenen Anleger

Es kommt hinzu, dass 2007 eine eigene Genussscheinanleihe der Driver & Bengsch Holding AG begeben wurde. Auch deren Anleger sind heftigst gebeutelt. Im Zuge der aggressiven Platzierung unter anderem der oben dargestellten Anleihen wurde die BaFin auf den Konzern aufmerksam. Im Frühjahr 2009 führte dies dazu, dass dem Wertpapierhandelshaus der Accessio die Erlaubnis zur Durchführung des Platzierungsgeschäfts und von Finanzdienstleistungen entzogen wurde.

Hierüber schwebt nun ein Verwaltungsgerichtsprozess, dessen Ergebnis naturgemäß derzeit nicht prognostiziert werden kann. Allerdings sind solche massiven Eingriffe der Aufsichtsbehörde außerhalb des grauen Kapitalmarkts eher selten. Hier muss schon einiges vorgefallen sein. Die Foren sind auch voll von Anlegern, die sich durch die Geschäftspraktiken der Itzehoer Platzierungskünstler übervorteilt fühlen.

Haftet die DAB?

Während sich über Accessio/Driver & Bengsch die dunklen Wolken bedrohlich ballen, sonnt man sich beim Bankpartner der Itzehoer noch im Auge des Taifuns. Das könnte trügerisch sein. Die Bank profitierte nicht zuletzt von den unseriösen Praktiken und erhielt  mutmaßlich auch einen Anteil der Erlöse zur Subventionierung der Tagesgeldbedingungen. Insoweit wusste man, dass seitens Accessio/Driver & Bengsch entsprechende Vergütungen gewährt wurden.

Demnach kommt nicht nur eine Tatbeteiligung an einem vorsätzlich schuldhaften Verhalten der Itzehoer Broker in Betracht, sondern auch Aufklärungspflichten aus dem Depotvertrag und aus dem Kontovertrag bezüglich des Tagesgeldes. Es kommt hinzu, dass das "ZinsKombiKonto"  ein einheitliches Produkt ist, zu dessen Initiatoren auch die DAB gehören dürfte. Hier ist die Rechtsprechung noch in der Entwicklung. Bereits die Ausführungen des Bundesgerichtshofs zu verdeckten Rückvergütungen legen es aber  nahe, dass man hier künftig strengere Maßstäbe anlegen wird.

Erste Klagen werden auch von unserer Seite vorbereitet. Wir bleiben für Sie am Ball.